Überblick über die Epochen

Vor mehr als 400 Millionen Jahren befand sich dort, wo heute Rheinland-Pfalz liegt, ein tiefer Ozean. Zu Stein gewordene Sedimente bilden heute den größten Teil des rheinland-pfälzischen Mittelgebirges. In seinen Gesteinen, die bei Bundenbach im Hunsrück (Landkreis Birkenfeld) als Dachschiefer industriell abgebaut wurden, finden sich zahlreiche Fossilien, darunter Fische, Seesterne und Seelilien. Ihre Vielfalt hat die Fossilfundstelle weltberühmt gemacht und ermöglicht heute einen spannenden Einblick in ein versunkenes marines Ökosystem.

Und wie sah es vor 25 Millionen Jahren im Westerwald aus? Diese Frage beantworten die mächtigen Ablagerungen in einem ehemaligen Maarsee in Enspel (Westerwaldkreis). Dort konnten seit den 1990er Jahren zahlreiche Pflanzen- und Tierfossilien aus der Zeit des Tertiärs geborgen werden, die uns viel über das damalige Klima erzählen. Es war fast so warm und trocken wie heute am Mittelmeer. Einen ganz besonderen Fund stellt die Flugmaus dar, deren Flughaut besonders gut erhalten ist und eine genaue Rekonstruktion der Fortbewegungsweise erlaubt.

Flugmaus (Eomys quercyi), Enspel (Westerwaldkreis), 25 Millionen Jahre | © GDKE, Erdgeschichte, M. Poschmann

Die Steinzeit ist die längste Epoche der Menschheitsgeschichte. In Rheinland-Pfalz beginnt sie vor etwa 800.000 Jahren mit den ersten Zeugnissen des Frühmenschen Homo heidelbergensis. Aus ihm entwickelte sich in Anpassung an das eiszeitliche Klima der Neandertaler. Der älteste Beleg für einen frühen Neandertaler in Rheinland-Pfalz stellt eine 170.000 Jahre alte Schädelkalotte aus einer Kratermulde der Wannenvulkane bei Ochtendung (Landkreis Mayen-Koblenz) dar, die zu einem Werkzeug umgearbeitet wurde.

1968 entdeckte man in Gönnersdorf im Neuwieder Becken einen 15.500 Jahre alten Lagerplatz.  mobiler Jäger- und Sammlergruppen der letzten Eiszeit. Berühmt wurde der Lagerplatz wegen der großen Fülle an Kunstgegenständen, die hier geborgen wurden. Dazu gehören vor allem Frauenfiguren aus Elfenbein und Gravuren mit Darstellungen von Mensch und Tier auf Schieferplatten.

In der Nähe von Herxheim im Landkreis Südliche Weinstraße entdeckten Archäologen neben zahlreichen Tierknochen und zerschlagenen Keramikgefäßen, Steingeräten und Mahlsteinen, etwa 75.000 menschliche Knochen und Knochenfragmente. Die Funde stammen aus der Endphase der bandkeramischen Kultur und sind etwa 7000 Jahre alt. Schnittspuren an den Knochen bezeugen, dass die Leichname Teil eines bisher unbekannten Rituals gewesen sein müssen.

Schädelkalotte eines Neandertalers, Ochtendung (Kreis Mayen-Koblenz), 170.000 Jahre | © GDKE, Landesarchäologie Koblenz, W. Baumann

Zwischen 1.800 v. Chr. und 1.500 v. Chr. führt in neuer Werkstoff, die Bronze, zu durchgreifenden Veränderungen im Leben der Menschen. Es entstehen befestigte Machtzentren und weitreichende Handelsnetze, über die nicht nur Waren gehandelt werden, sondern sich auch neue Glaubensvorstellung verbreiten.

Glasperlen aus Persien (oder dem heutigen Iran) eines Colliers aus Schifferstadt (Rhein-Pfalz-Kreis), ein Bronzeblecheimer verziert mit einer Sonnenbarke aus Ochtendung (Landkreis Mayen-Koblenz) sowie zahlreiche Bronzeobjekte vom Hohenberg (Landkreis Südliche Weinstraße) aus der späten Bronzezeit, der sogenannten Urnenfelderzeit, machen deutlich, wie sehr die Regionen des heutigen Rheinland-Pfalz Teil eines gesamteuropäischen Kulturraumes waren.

Mehrstückdepot mit Schmuck und Waffen, Hohenberg bei Annweiler (Landkreis Südliche Weinstraße) | © GDKE, S. Fitting

Der Wechsel von der Bronze- zur Eisenzeit setzt in der Region des heutigen Rheinland-Pfalz im ausgehenden 8. Jh. v. Chr. ein. Ab etwa 500 v. Chr. bezeugen Beigaben in den Prunkgräbern der einheimischen Eliten einen intensiven Kontakt mit den Kulturen des mediterranen Raumes.

Die beeindruckenden Beigaben aus den Gräberfeldern von Worms-Herrnsheim und Bescheid (Landkreis Trier-Saarburg) umfassen Metallgeschirr, Goldobjekte, Waffen und Teile prunkvoller Wagen. Importierte Luxusgüter wie etruskische Schnabelkannen zeugen von der Übernahme mediterraner Kultur und Trinksitten durch die keltische Oberschicht.

Goldzierscheibe, Worms-Herrnsheim, um 400 v. Chr. | © GDKE, Landesarchäologie Mainz, E. Klingenberg

Die Römer haben in Rheinland-Pfalz zahlreiche, noch heute sichtbare Spuren hinterlassen. Besonders gut sind diese noch in Mogontiacum / Mainz und Augusta Treverorum / Trier erhalten.

Das 13/12 v. Chr. als Doppellegionslager gegründete Mainz war im 1. Jahrhundert einer der bedeutendsten Militärstandorte des Römischen Reiches. Zahlreiche Grabsteine geben Auskunft zur Herkunft und Truppenzugehörigkeit der Soldaten. Ende des 1. Jahrhunderts wurde Mainz Hauptstadt der Provinz Obergermanien. Als oberirdisch sichtbares Denkmal steht im Süden der Stadt das größte Bühnentheater nördlich der Alpen, das wahrscheinlich in engem Zusammenhang mit dem Kaiserkult errichtet wurde.

Das 17 v. Chr. gegründete Trier war dagegen zivil geprägt. Schnell entwickelte sich eine blühende Großstadt, in der die für die Gallia Belgica und die beiden germanischen Provinzen zuständige Finanzverwaltung saß. Im späten 3. und 4. Jahrhundert war Trier sogar Kaiserresidenz. Die in diesem Zusammenhang entstandenen Bauten wie Konstantinbasilika und Kaiserthermen gehören seit 1986 zum UNESCO-Welterbe. Ausgesuchte Funde, darunter eine einzigartige spätantike Silberkanne, vermitteln eine Ahnung von der Größe und Lebensart der Stadt an der Mosel. 

Römisches Bodenmosaik, Trier | © GDKE

In der zum Kastell Niederbieber gehörenden Zivilsiedlung wurde eine römische Reiterstandarte in Form eines Drachenkopfs gefunden. Die Siedlung war um 260 n. Chr. aufgegeben worden. Bei dem herausragenden Stück handelt es sich um ein Feldzeichen, wie es bisher nur aus Beschreibungen und Bilddarstellungen bekannt ist.

Im römischen Kleinkastell von Mittelstrimmig im Kreis Cochem-Zell fand die Landesarchäologie zwei Münzschätze mit mehr als 22.000 prägefrischen Bronzemünzen, deren Niederlegung in das Jahr 321 datiert werden kann.

Aus über hundert Objekten besteht der Schatz von Rülzheim (Landkreis Germersheim), der 2013 durch Raubgräber undokumentiert dem Boden entrissen wurde. Zu dem einzigartigen Hortfund gehören eine mit Halbedelsteinen verzierte Silberschale, 96 Goldappliken, ein verzierter Silberteller und Teile eines prunkvollen Klappstuhls, der als repräsentatives Sitzmöbel nur gesellschaftlichen Eliten vorbehalten war. Die Geschichte, die der einmalige Schatz mit seinen hunnisch-alanischen und römischen Elementen erzählt, führt mitten in die unruhigen Zeiten der Völkerwanderung um die Jahre 450 n. Chr.

Schale mit Halbedelsteinen, Rülzheim (Landkreis Germersheim), um 450 n. Chr. | © GDKE, Landesarchäologie Speyer, P. Haag-Kirchner

Rechtsrheinische germanische Stämme, bereits von den Römern als franci bezeichnet, waren spätestens seit dem 4. Jh. sowohl als Gegner als auch als Verbündete eine feste Größe im Norden des Imperium Romanum. Hiervon erzählt ein mit überaus reichen Beigaben ausgestattetes merowingisches Gräberfeld des 7. und frühen 8. Jhs., das 2009 auf dem Vorplatz der Münstermaifelder Stiftskirche durch die Landesarchäologie untersucht werden konnte.

Zwei dieser Gräber, ein Reitergrab und das einer jungen Frau, sowie weitere besonders wertvolle Einzelfunde ermöglichen einen spannenden Blick auf den Reichtum und die gehobene soziale Stellung der Toten. Sie erzählen von weitreichenden Handelsbeziehungen bis in den östlichen Mittelmeerraum und dem Nebeneinander germanischer und christlich-römischer Traditionen.

Filigranscheibenfibel mit Kreuzdarstellung, Münstermaifeld (Landkreis Mayen-Koblenz), 2. Hälfte des 6. Jahrhunderts | © GDKE, Landesarchäologie Koblenz, W. Baumann

Die Ingelheimer Kaiserpfalz wurde am Ende des 8. Jhs. von Karl dem Großen als Palastanlage und Regierungsort erbaut. Durch den bewussten Rückgriff auf die antike Bautradition unterstrich er seinen Herrschaftsanspruch in der Tradition des alten Imperium Romanum. Von besonderer Bedeutung ist eine Goldmünze Karls des Großen, die 1996 im Bereich der Vorsiedlung der Pfalz gefunden wurde. Bis dahin waren Münzportraits des Kaisers nur von Silbermünzen bekannt.

Zur mittelalterlichen Stadtbevölkerung in Rheinland-Pfalz gehörten schon früh Juden, die sich als Fernhändler entlang des Rheins in den freien Reichsstädten und Bischofssitzen Mainz, Speyer und Worms niederließen. 1348/49 setzte dann eine Pogromwelle gegen die jüdische Bevölkerung ein. Der Schatz von Lingenfeld (Landkreis Germersheim) eines jüdischen Bankiers, der 1969 gefunden wurde, lässt ein persönliches Schicksal aus dieser Zeit erahnen.

Beinkamm, Trier, Mittelalter | © GDKE, Landesarchäologie Trier, Th. Zühmer / Zeichnung M. Diederich

Neun Tote in einem Massengrab gefunden 2014 bei Ausgrabungen der Landesarchäologie am Werk 38 der Festung Landau. Mit dieser Entdeckung ermöglichten die Archäologen eine Momentaufnahme der Geschehnisse des Jahres 1713. Denn allem Anschein nach waren hier Soldaten in einer Grube bestattet worden, die während der schweren Angriffe der französischen Truppen am 12. Juli 1713 auf das Werk 38 der Festung Landau ums Leben gekommen waren.

Das Arbeitsfeld der Landesarchäologie reicht zeitlich bis in die jüngste Gegenwart. Bei ihrer Arbeit treffen Archäologen nicht selten auch auf Zeugnisse aus der Zeit des Zweiten Weltkriegs, die an ein dunkles Kapitel der deutschen Geschichte erinnern. Beispielhaft hierfür ist der Fund einer Familiensammlung, die in den Resten kriegszerstörter Bebauung im Stadtzentrum Triers entdeckt wurde. Die Erben der Eigentümer konnten ausfindig gemacht und die Funde zurückgegeben werden.

Konvolut von Taschenuhren, Trier, Neuzeit | © GDKE, Landesarchäologie Trier, Th. Zühmer